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Musikalische Expedition ins Tirol

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Im Spätsommer 2023 fand die langersehnte Musikreise des Musikvereins Dietlikon statt. Eine Geschichte darüber, wie es mehr als 50 Musiker mitsamt Alphörnern in die Ostalpen verschlug.


Es ist Freitagmorgen, 8 Uhr in der Früh. Im Zürcher Hauptbahnhof versammeln sich bereits noch müde, aber erfreute Gesichter. Aufgeregt wird der "Transalpin" nach Innsbruck erwartet. Das Gepäck der Truppe zieht einige Blicke auf sich. Darunter sind Alphörner, Posaunen, Flöten und Trompeten. Und ein Schlagzeug - sauber verladen auf einem zweiachsigen Handwagen, den sie hinter sich herziehen. Die Schlepperei scheint den Musikern wenig auszumachen, munter sind sie bei der Sache. Der Zug fährt ein, die Musiker steigen ein und die Reise ins Tirol beginnt.

Lange musste der MVD auf die Musikreise gedulden. Denn diese war eigentlich schon nach dem Jubiläumsjahr 2020 geplant - aufgrund Corona fiel sie ins Wasser. Das Warten fühlte sich an wie eine Ewigkeit, entsprechend gestiegen war die Vorfreude. Nachdem im Zug ein genüsslicher Brunch verspeist wurde, mussten alle in Innsbruck aussteigen. Die malerische Stadt, umrahmt von gigantischen Alpengipfeln, erstreckte sich vor den Augen der Dietliker. Sogleich ratterte ein historisches Tram der Tiroler Museumsbahnen um die Ecke an der Tramhaltestelle gegenüber des Hauptbahnhofs. Das Unvorstellbare wird möglich - kurze Zeit später sitzen alle auf den uralten Holzsitzen des charmanten Trams und fahren in Richtung Mutters im Stubaital, einer kleinen Gemeinde oberhalb von Innsbruck.


Als in Mutters gegen Freitagabend die Sonne am Horizont verschwand, machte sich der

MVD bereit, den Konzertpavillon inmitten des idyllischen Dorfes zu betreten. Denn dort feierte die ansässige Musikkapelle Mutters ihren Saisonschluss. Bereits am späten Nachmittag begrüsste die Musikkapelle Mutters den MVD mit einer Marschmusikparade. Ein wunderbares Willkommen, das so schon lange niemand mehr erlebt hat. Das Abschlusskonzert der Kapelle bot sich als ideale Gelegenheit für ein Gemeinschaftskonzert. Gesagt, getan: Nachdem die Musikkappelle Mutters ihr Bestes vor versammelten Publikum zu hören gab, war es an der Zeit, dass die Dietliker die Bühne betraten. Natürlich gehört es zu einem Besuch im benachbarten Österreich auch dazu, ein Stück Schweiz mitzubringen. So stand der erste Konzertteil ganz unter diesem Motto. Mit acht Alphörnern betrat der MVD die Bühne. Das sorgte natürlich für Staunen bei den österreichischen Freunden, welche dies nicht alltäglich gewohnt waren. In einem späteren Programmpunkt wurde ein ostschweizerisches „Zäuerli“ mit den berühmten Talerschwingschüsseln zum Besten gegeben - ganz zur Freude von Dirigent Daniel Zeiter, welcher ursprünglich aus dieser Gegend stammt und sich bis heute eng verwurzelt fühlt. Mit einem Lacher wurde festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, einen Fünfliber in einem Tonbecken zum Kreisen zu bringen. Etwa zwei der schweren Münzen spickten ins Publikum. Aber es wurde nicht nur Traditionelles gespielt. In der zweiten Konzerthälfte wurde das Publikum mit poppigen, rockigen und jazzigen Klängen verwöhnt. Mit dem konnte die Stimmung in der Halle des Konzertpavillons nochmals richtig gesteigert werden.


In der österreichischen Blasmusikszene ist einiges anders als in der Schweiz. Beispielsweise nennt man den Dirigenten nicht Dirigent, sondern „Kapellmeister". Ausserdem waren in ihrem Repetoire auffallend viele Polkas, welche wir vom MVD niemals mit so viel Stil präsentieren könnten. Und dann ist da noch die wunderbare Uniform der Kapelle - alle besitzen eine traditionelle Tracht. Doch diese Unterschiede waren wohl für Publikum als auch für die Musiker irrelevant, schliesslich waren alle unter Gleichgesinnten. Bis tief in die Nacht wurde zusammen gelacht, alsdann der erste Sonnenstrahl die Spitze des Innsbrucker Hausbergs Patscherkofel kitzelte und die letzten ihren Weg nach Hause oder ins nahegelegene Hotel fanden.


Am nächsten Tag versammelte sich der MVD am Bahnhof Mutters. Und schon wieder ratterte die Tiroler Museumsbahn in den Bahnhof ein. Ein normales Transportmittel wäre für den MVD einfach zu langweilig gewesen. Das Tram chauffierte die Dietliker sicher und in gemächlichen Tempo nach Innsbruck. So gestaltete sich das Wochenende mit dem Gefährt völlig stresslos.

Samstag war Entdeckungstag. Alle teilten sich in Gruppen auf und besichtigten zunächst verschiedene Sehenswürdigkeiten in Innsbruck. Das exotischste Erlebnis war wohl der Besuch in einer uralten, vierhundertjährigen Glockengiesserei. Die Firma wird in vierzehnter Generation geführt. Eindrücklich wurde einigen MVD‘lern die Werkstatt als auch ein dazugehöriges Museum gezeigt. An der grössten Glocke, welche das Familienunternehmen jemals gebaut und gegossen hatte, waren sie über sieben Monate beschäftigt. Sie wog 26 Tonnen und wurde mit einem LKW-Transport schliesslich nach Rumänien geliefert. Doch das Unternehmen produziert unter anderem auch Klangschalen in verschiedenen Tonhöhen und Frequenzen. Einerseits für Klangschalentherapie, andererseits auch für Orchester. Ein Grosskunde war beispielsweise die Elbphilharmonie in Hamburg. Wer weiss - vielleicht bestellt der MVD für das nächste Konzert einige Klangschalen und unterstützt so das uralte Handwerk. Nachdem den ganzen Nachmittag das bunte Innsruck besichtigt wurde, gingen alle zurück ins Hotel nach Mutters. Das Nachtessen wurde verspeist und angeregt wurde bis spätabends über das Erlebte gesprochen.


In einem Wimpernschlag wurde es Sonntag. Es wartete nochmals ein grosser Tag. Wie gewohnt wartete am Bahnhof schon das rotgestrichene Tram auf den MVD. Doch es fuhr nicht wie am vorherigen Tag auf Innsbruck, sondern nach Igls. Obwohl das Dorf nur rund 5 Kilometer von Innsbruck entfernt ist, herrscht dort eine Ruhe, welche bei uns in Dietlikon fehlt. Gelegentlich hört man den Bach plätschern und die Vögel zwitschern, und die alte Dame, welche im Garten auch noch nach achtzig Jahren das Unkraut aus den Erdspälten zieht, grüsst freundlich. Hier rennt niemand der Zeit hinterher. Aber das Dorf hat sich jenen Sonntag in Schale geschmissen. Ganz in der Nähe des Bahnhofs tummelten sich hunderte Menschen auf einer grossen Wiese. Es war ein Dorffest im Gange. Inmitten der Anlage war eine grosse Bühne aufgebaut. Und mit Bühnen und dem MVD verhält es sich wie mit Magneten und Nägeln - sie ziehen sich auf ganz selbstverständliche Weise an. Kurzgesagt: Der MVD beglückte auch in diesem Tiroler Dorf das Publikum und bereitete einigen grosse Freude. Das Staunen über die Alphörner war sogar ein weniger grösser als am Freitagabend in Mutters. Mucksmäuschenstill waren die Zuschauer, als sie den Klang der Alphörner erhaschten, der Schall breitete sich wie eine warme Decke über dem Dorf aus.


Der nächste Halt war, einige Fahrstunden später, schon wieder Zürich - zurück in der Heimat. Einige wären gerne noch länger geblieben. Es rief der Alltag. Doch ein Stück Herz bleibt im schönen Tirol. Und wer weiss, auf welchem Abenteuer der MVD als nächstes anzutreffen ist.





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